Die Sache mit dem Handtuch

Hab heute echt viel erreicht. Also, in der Wohnung meine ich. Habe z.B. mal die Wäsche ab und aufgeräumt. Der Gedanke kam einfach über mich, und das, obwohl ich durchaus beschäftigt war. Ist ja nicht so, als hätte ein Mann meines Wissensstandes je Freizeit. Ich war da z.B. just am Dösen. Habe mir dabei den Wäscheständer und explizit die Wäsche angeschaut.
Dachte..Hmm, die hängt da so in der Sonne, die Wäsche und weiß auch nicht mehr weiter. Ist da einfach, weil ihr keiner bescheid gesagt hat. Das man davon nämlich bleich wird, dabei ist doch farbig momentan so in, so chick. Beschliesse, ihr den Leidensweg eines Vampirs zu ersparen und hänge sie ab. Sie sollen ja auch noch morgen wie Handtücher von gestern aussehen. Falte dabei auch ordnungsgemäß die Handtücher so, wie es ein Schwertschmied der Japaner nicht besser hätte machen können, also, das Falten meine ich...naja, vielleicht bin ich beim Falten auch eher so ein Origamianhänger. Ich könnte sogar einen Schwan oder die Titanic falten, aber da der Platz im Schrank beschränkt ist, lege ich sie nur ganz normal zusammen. Wie es ihrer Form eben entspricht.
Denke: Verdammt, hättest du jetzt mehr Platz im Schrank, wärst du viel kreativer, weniger eingeschränkt...wie es ja bald die Handtücher im Schrank sein werden. Nachdem sie eingeräumt sind habe ich beschlossen, einen größeren Schrank zu kaufen und Künstler zu werden. Leider brauche ich dafür aber auch ein größeres Schlafzimmer und somit eine größere Wohnung. Seufze resigniert und stelle fest, das ich nur auf Grund äußerlicher Einwirkungen und des lieben Geldes wegen kein Künstler werden kann.
Um nicht zu verbittern, weil mir wieder ein Stück Freiheit geraubt wurde, weise ich mich selbst darauf hin, dass ich zumindest aktiv war. Teile das am Abend auch meiner Freundin mit und zeige ihr stolz die fein gefalteten Handtücher. Doch bevor ich auf die Japaner verweisen kann sagt sie: Das wäre ja alles falsch gefaltet, so könne man das nicht lassen. Frage wieso? Weil man das so nicht faltet, das ist falsch. Sie räumt alles aus und faltet es sehr ähnlich, aber eben doch differenziert, wodurch sich ein anderers Rechteck ergibt.
Gebe mich derzeit wieder vermehrt dem Dösen hin und lasse meine Freundin walten. Insgeheim jedoch plane ich am morgigen Tag eine Expedition in die Tiefen unserer Wohnung. Ziel: Handtuch-Faltanleitung meiner Freundin. Irgendwo muß sich dieses Gesetzbuch ja verstecken. Vermute, dass dies in der Unterwäscheschublade schlummert oder im Schmuckkästchen, weil ich da selten dran gehe. Nein, besser noch im Bügeleisen, weil ich da nie dran gehe. Mit einem finsteren Lächeln, das jedem Comic-Bösewicht zur Ehre gereicht hätte mache ich mich ans Werk. Nachdem ich die Wohnung am nächsten Tag auf den Kopf gestellt hatte stelle ich fest, dass es hier keine Regel gibt, kein Gesetzbuch, ja, nicht einmal einen Querverweis. Bestimmt im Bankschließfach eingeschlossen. Das wird's sein.
Damit ich mir weiterhin klein und unnütz vorkomme aber HA. Nicht mit mir. Morgen kaufe ich mir eine Strumpfmaske...und dann wird die Bank meiner Freundin überfallen. Die Kassirerin steckt da bestimmt eh mit drin, die lächelt schon immer so wissend wenn wir da sind. Aber nicht mit mir. Morgen werde ich es finden und dann werden die Handtücher immer ideal gefaltet sein. Vielleicht dann sogar in Form eines Schwanes, denn wenn ich schon morgen die Bank überfalle...dann klappt das bald auch mit dem Dasein als Künstler. Jetzt döse ich aber erst noch ein wenig, aber nicht zu lang, denn lange in der Sonne liegen bleicht ja aus und ich will ja auch morgen noch wie ein Mann von Gestern aussehen....oder so ähnlich zumindest.

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Die Sache mit dem Bösewicht

James Bond? Nein, wie langweilig!

Habe neulich wieder mal einen Bond-Film gesehen und während die Bilder im Hundertstelsekundentakt auf meiner Netzhaut flimmerten dachte ich bei mir, also, ganz im Stillen, das es schön wäre, er zu sein. Wie? Nein, nicht Bond, nein, der Bösewicht oder sagen wir besser, generell irgendein Bösewicht. Bond zu sein ist fade, das hat man doch alles schon gehabt: schnelle Autos, Frauen, Alkohol, Schießereien in einem Whirlpool mit Haien. Aber Bösewicht sein, das birgt viel mehr Flexibilität, viel mehr Freiheiten. Hier muß man sich nicht nur NICHT an Regeln halten, nein, man erfindet sie einfach neu.
Man muß auch keine Gedanken mehr an saubere Zimmer, einen vollen Kühlschrank oder die Steuererklärung verschwenden. Das geht dann: "Nummer 2! Ja Nummer 1? Besorgen Sie mir umgehend ein neues Chappy, Wautzi hat Hunger! Jawohl Nummer 1", und die Sache wird erledigt. Natürlich kontaktiert Nummer 2 umgehend Nummer 3 und der wird erneut seine Untergebenen haben. Befehlskette nennt man das. Wenn mal einer nicht funktioniert, dann geht das wie bei einem kaputten Glühbirnchen in einer Lichterkette. Erst wird das Licht ausgeknipst (oder ihm), der Unruhestifter beseitigt und schon kann man wieder schöne, seelige Weihnacht haben...oder eben Chappy für den Hund. Außerdem beschäftigt man sich nur mit großen Themen wie Weltherrschaft oder Weltherrschaft und hier und da Macht und noch viel mehr Macht. Einfach interessanter als der Einkauf bei Aldi, selbst wenn der Montags Angebote hat und man sich durchschlagen muss.
Da wäre eine Walter PPK zwar praktisch, aber mal ehrlich, wenn Sie wie Beißer aussehen und die Halblederschuhe in 56 haben wollen, wer würde sie Ihnen dort streitig machen? Wenn der mich freundlich anlächelt zahle ich sie ihm vielleicht sogar noch. Auch in der Schlange anstehen gehört dann der Vergangenheit an. Was ich da allein an Zeit sparen könnte.

Bin völlig Feuer und Flamme durch meine neue Bestimmung und aufgeregt wie ein Kind nach dem Motto: "Mama, darf ich Frankreich kaputt machen?" "Gleich mein Sohn, gleich." Bin aber sehr unzufrieden mit meinem Namen. Marcus klingt so mundan, so trivial, so altbacken. Wenn ich doch Le Chiffre heißen würde oder Goldfinger, man würde mein Bestreben viel ernster nehmen. Gut, zugegeben, meine Mutter hätte früher sicherlich viel über sich ergehen lassen müssen, aber dafür wäre sie jetzt Mutter eines richtig üblen Schergen. Während also der Film 2/3 hinter sich gebracht hatte, begann ich eine Liste mit änderungen zu erstellen. Die lauteten: Namenswechsel in Urgewaltiger Niemals Fehltretender Unfaßbarer Gott (Kurz auch UNFUG!), Ortswechsel zu einem verträumten Atoll an der Küste Thailands und natürlich neue Haustiere...Dinosaurier oder so.
Meine Liste näherte sich dem Ende und der Film auch. Wie es am Ende kommen mußte, hatte der Bösewicht den Fehler begangen, Bond alles zu erzählen und dann versucht, diesen auf irrwitzige Weise umzubringen, anstatt den einfach zu erschießen und ich hatte derweil den Fehler begangen, die Liste mit Popcornzucker zu schreiben, was in deren Unlesbarkeit resultierte...Hmmm...viel es mir auf. Bösewichte sterben immer, weil sie sich doch an eine sehr fundierte Regel halten. Unumstreitlich immer! Sie sind stets zu blöd, den Hebel einer Kanone zu bedienen...und ganz unter uns, wer möchte schon so blöd sein?
Da gehe ich doch lieber wieder bei Aldi shoppen ohne meine Schuhe in der richtigen Größe zu bekommen, darf dafür aber meine Alten noch was länger benutzen...naja...und das mit der Steuererklärung klappt bestimmt auch, obwohl ich finde, dass die Beamten dort auch schon kleine Bösewichter sind.

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